Fensterbeschlag · DIN 18104-2 · DIN EN 1627

Pilzkopfverriegelung: Was sie bringt und wie Sie nachrüsten

Pilzkopfzapfen halten den Fensterflügel im Rahmen fest, wenn jemand ihn aufhebeln will. So erkennen Sie, ob Ihr Fenster sie hat, und das können Sie tun, wenn nicht.

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Von Patrick Heil · aktualisiert am · Über den Autor

Illustration: Fensterflügel im Schnitt mit Pilzkopfzapfen, die in Schließbleche greifen
Grundriss-Ausschnitt: FensterMarkiert ist Fenster im Grundriss einer Erdgeschosswohnung.
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Kurzantwort: Was ist eine Pilzkopfverriegelung?

Das Wichtigste in drei Sätzen

Eine Pilzkopfverriegelung ist ein Fensterbeschlag, dessen Verriegelungszapfen einen verbreiterten, pilzförmigen Kopf haben. Beim Schließen hintergreifen diese Zapfen stählerne Sicherheitsschließstücke am Rahmen, sodass sich der Flügel nicht einfach heraushebeln lässt. Bei vielen Holz- und Kunststofffenstern mit Dreh-Kipp-Beschlag kann ein Fachbetrieb sie nachrüsten. Geht das nicht, sind aufschraubbare Sicherungen nach DIN 18104-1 die Alternative.

Wie funktioniert eine Pilzkopfverriegelung?

Wenn Sie den Fenstergriff drehen, bewegt sich im Flügel eine Treibstange. Sie schiebt Zapfen rund um den Flügel in Schließstücke am Blendrahmen, das ist der fest eingebaute Teil des Fensters. Bei einfachen Beschlägen sind das Rollzapfen: runde Bolzen, die das Fenster dicht an die Dichtung ziehen. Gegen Einbruch helfen sie kaum. Setzt jemand ein Hebelwerkzeug an, rutscht der runde Zapfen aus dem flachen Schließstück.

Ein Pilzkopfzapfen hat oben einen breiteren Kopf. Er läuft in ein Sicherheitsschließstück mit hinterschnittener Führung. BauNetz Wissen beschreibt das als Formschluss: Zapfen und Schließteil verhaken sich, und genau das ist der Aushebelschutz. Für solche Aushebelschutzbeschläge gibt es eigene Güte- und Prüfbestimmungen (RAL-RG 607/13).

Wichtig ist das Zusammenspiel. Der Pilzkopf ist nur so stark wie das Schließstück, in das er greift, und dessen Verschraubung im Rahmen.

Warum ist die Verriegelung so wichtig?

Fenster und Fenstertüren sind laut Polizei die häufigsten Einstiegsstellen, vor allem wenn sie leicht erreichbar sind. Die Polizeiliche Kriminalprävention schreibt, dass sich ein ungesichertes Fenster mit einfachem Werkzeug in wenigen Sekunden aufhebeln lässt (Meldung vom 23.09.2026). In ihrer Broschüre „Sicher wohnen“ (Stand 07/2024) heißt es außerdem, einfache Fensterbeschläge hätten keine einbruchhemmende Wirkung.

Dass sich Sicherungen lohnen, zeigt die Polizeiliche Kriminalstatistik: 2025 wurden 82.920 Wohnungseinbrüche erfasst, Versuche eingeschlossen. 44,9 Prozent davon blieben im Versuch stecken, laut Polizei auch wegen mechanischer Sicherungen. Mehr dazu, wie Täter vorgehen, steht im Ratgeber So gehen Einbrecher vor.

Woran erkennen Sie, ob Ihr Fenster Pilzkopfzapfen hat?

Sie brauchen dafür kein Werkzeug. Öffnen Sie den Flügel ganz und sehen Sie sich zwei Stellen an:

  1. Die Kante des Flügels. Dort sitzen die Zapfen. Runde, glatte Bolzen sind Rollzapfen. Ein Zapfen mit verbreitertem, oft ovalem Kopf ist ein Pilzkopf.
  2. Den Rahmen gegenüber. Zu jedem Zapfen gehört ein Schließstück. Sicherheitsschließstücke sind aus Stahl, meist mit mehreren Schrauben befestigt und haben eine Führung, die den Kopf hintergreift.

Zählen Sie, wo Pilzköpfe sitzen. Viele Fenster haben ab Werk nur an der Griffseite einen oder zwei, die Ecken und die Bandseite bleiben ungesichert. Bei einem Fenster der Widerstandsklasse RC2 ist der Beschlag rundum mit Sicherheitszapfen und Sicherheitsschließstücken ausgestattet. Ob Ihr Fenster RC2 hat, belegen nur die Herstellerunterlagen oder eine Kennzeichnung im Falz, nicht der Blick auf die Zapfen.

Rollzapfen, Pilzkopf und RC2-Fenster im Vergleich
MerkmalRollzapfenPilzkopfzapfenRC2-Fenster
Formrunder, glatter BolzenBolzen mit verbreitertem KopfPilzköpfe oder gleichwertige Sicherheitszapfen rundum
Gegenstückflaches SchließstückSicherheitsschließstück mit HinterschnittSicherheitsschließstücke, wie geprüft
Aushebelschutzkaumja, an den Stellen, wo er sitztgeprüft als Gesamtsystem
NormkeineNachrüstung nach DIN 18104-2 möglichDIN EN 1627 (Ausgabe 2021)
Glas und GriffbeliebigbeliebigVerbundsicherheitsglas P4A, abschließbarer Griff

Quellen: BauNetz Wissen, Polizeiliche Kriminalprävention (Broschüre „Sicher wohnen“, Stand 07/2024). Eigene Zusammenstellung.

Reicht eine Pilzkopfverriegelung allein?

Nein. Sie ist der wichtigste Teil, aber drei Dinge gehören dazu.

Ein abschließbarer Griff

Ein abschließbarer Fenstergriff verhindert, dass jemand durch ein kleines Loch im Rahmen den Griff von außen dreht. Allein bietet er laut Polizei keinen Aufhebelschutz. Sinnvoll ist er nur zusammen mit einem einbruchhemmenden Beschlag. Diese Kombination aus geprüftem Beschlag nach DIN 18104 und abschließbarem Griff ordnet die Kampagne K-EINBRUCH dem Level B zu, das die Polizei empfiehlt.

Feste Verschraubung

Die Sicherheitsschließstücke müssen tief und fest im Rahmen sitzen. Bei Kunststofffenstern sollten sie nach unserer Einordnung möglichst in die Stahlverstärkung des Rahmens greifen. Die Polizei weist darauf hin, dass Sicherungen nur bei fachgerechter Montage voll wirken.

Das richtige Verhalten

Gekippte Fenster sind laut Polizei offene Fenster. In Kippstellung greifen die Pilzköpfe in der Regel nicht. Schließen Sie das Fenster deshalb auch, wenn Sie nur kurz gehen.

Und das Glas? Übliche Isolierverglasung hat keine einbruchhemmende Wirkung. Verbundsicherheitsglas nach DIN EN 356 ab Klasse P4A lässt sich laut Polizei im Einzelfall nachrüsten. Weil Fenster aber meist aufgehebelt werden, reicht besseres Glas allein nicht.

Kann man eine Pilzkopfverriegelung nachrüsten?

Oft ja. Laut Polizei kann ein Fachbetrieb bei Holz- und Kunststofffenstern mit Einhand-Dreh-Kipp-Beschlag den Beschlag um Sicherheitselemente erweitern oder gegen einen einbruchhemmenden Beschlag austauschen. Die Norm dafür ist DIN 18104-2, sie gilt für Nachrüstprodukte, die im Falz eingelassen werden, also unsichtbar im Spalt zwischen Flügel und Rahmen.

Wann es schwierig wird

  • Der Beschlaghersteller ist nicht mehr zu ermitteln oder liefert keine Teile mehr für die Serie.
  • Der Rahmen ist zu schmal oder zu weich, um Sicherheitsschließstücke fest zu verschrauben.
  • Das Fenster hat einen älteren Beschlag ohne umlaufende Treibstange.

Ob Ihr Fenster geeignet ist, klären Sie laut Polizei am besten mit einer (kriminal-)polizeilichen Beratungsstelle oder einem Fachbetrieb. Die Beratung der Polizei ist kostenlos. Fachbetriebe finden Sie über die Fachbetriebssuche von K-EINBRUCH.

Können Sie selbst nachrüsten?

Manche Beschlaghersteller bieten Nachrüstsätze an. Ob Sie die selbst montieren, ist eine Abwägung. Für den Schutz entscheidet die Verschraubung, und die sehen Sie von außen nicht. Ein falsch gefrästes oder schief gesetztes Schließstück kann zudem die Dichtigkeit stören. Unsere Einschätzung: Wer schon Beschläge eingestellt hat und die Herstelleranleitung hat, kann es versuchen. Alle anderen sind beim Fachbetrieb besser aufgehoben.

Was kostet das Nachrüsten?

Preise nennen wir nicht, weil sie je nach Fenster, Region und Betrieb stark schwanken. Den Aufwand bestimmen vor allem die Zahl der Sicherungspunkte, das Beschlagsystem, das Rahmenmaterial und ob ein abschließbarer Griff dazukommt. Holen Sie einen schriftlichen Kostenvoranschlag ein, der die Teile und ihre Norm nennt. Zur Förderung nennt K-EINBRUCH den KfW-Kredit 159 „Altersgerecht Umbauen“. Den Zuschuss 455-E gab es laut K-EINBRUCH zuletzt nicht. Prüfen Sie den aktuellen Stand bei der KfW, bevor Sie einen Auftrag erteilen.

Was tun, wenn der Beschlag nicht nachrüstbar ist?

Dann bleiben aufschraubbare Sicherungen nach DIN 18104-1: Fensterstangenschlösser, Zusatzschlösser und Bandseitensicherungen. Laut Polizei ist eine solche Nachrüstung fast immer möglich. Sie sollte mindestens an Griff- und Bandseite erfolgen, die griffseitige Sicherung sollte abschließbar sein. Als Faustregel nennt die Polizei:

  • kleines Fenster mindestens zwei Sicherungen,
  • großes Fenster oder Fenstertür vier Sicherungen oder Sicherungspunkte.
Pilzkopf-Nachrüstung oder Aufschraub-Sicherung?
Pilzkopf im Beschlag (DIN 18104-2)Aufschraubbare Sicherung (DIN 18104-1)
Sichtbarnein, im Falzja, auf Flügel und Rahmen
Montagein der Regel Fachbetriebmit Erfahrung selbst möglich
Bedienungwie bisher über den Griffoft zusätzlicher Handgriff oder Schlüssel
Voraussetzungpassender Dreh-Kipp-Beschlag, stabiler Rahmengenug Platz auf Flügel und Rahmen
MietwohnungZustimmung des Vermieters nötigZustimmung nötig, weil gebohrt wird

Sichtbare Sicherungen haben einen Nebeneffekt: Laut Polizei wirkt sichtbare Sicherungstechnik auf Täter abschreckend, weil sie mehr Zeit und damit ein höheres Entdeckungsrisiko bedeutet. Was die Prüfzeichen auf den Produkten genau aussagen, erklärt der Ratgeber RC2, VdS und DIN 18104.

Gilt das auch für Balkon- und Terrassentüren?

Ja. Dreh-Kipp-Fenstertüren haben denselben Beschlagaufbau wie Fenster, nur länger. Weil sie ebenerdig und oft vom Garten aus unbeobachtet erreichbar sind, nennt die Polizei sie ausdrücklich als besonders gefährdet. Hier lohnt sich die Pilzkopf-Nachrüstung besonders. Hebe-Schiebe-Türen funktionieren anders und brauchen eigene Sicherungen.

Als Mieter klären Sie den Eingriff vorher mit dem Vermieter. Was dabei gilt, steht im Ratgeber Einbruchschutz in der Mietwohnung.

Häufige Fragen zur Pilzkopfverriegelung

Wie viele Pilzkopfzapfen braucht ein Fenster?

Eine feste Zahl für alle Fenster gibt es nicht. Sie hängt von Größe und Öffnungsart des Flügels und vom geprüften Beschlagsystem ab. Bei einem RC2-Fenster ist der Beschlag rundum mit Sicherheitszapfen und Sicherheitsschließstücken ausgestattet, so wie es in der Prüfung verbaut war. Ein einzelner Pilzkopf an der Griffseite bringt wenig, weil Ecken und Bandseite dann weiter nachgeben. Lassen Sie sich die Ausstattung vom Fachbetrieb anhand der Herstellerunterlagen zeigen.

Ist ein Fenster mit Pilzkopfverriegelung automatisch RC2?

Nein. RC2 nach DIN EN 1627 gilt nur für ein komplett geprüftes Fenster aus Rahmen, Beschlag, Glas und abschließbarem Griff. Pilzkopfzapfen sind ein wichtiger Teil davon, aber kein Nachweis. Ein nachgerüstetes Fenster wird nicht zum RC2-Fenster, auch wenn es danach deutlich besser geschützt ist.

Schützt eine Pilzkopfverriegelung auch das gekippte Fenster?

In der Regel nicht. Die Polizei sagt dazu klar: Gekippte Fenster sind offene Fenster. In Kippstellung greifen die meisten Pilzkopfzapfen nicht in ihre Schließstücke. Schließen Sie Fenster deshalb auch bei kurzer Abwesenheit. Häufig gekippte Fenster, etwa im Bad, lassen sich laut Polizei mit einem Gitter sichern.

Darf ich als Mieter eine Pilzkopfverriegelung nachrüsten lassen?

Der Beschlagtausch ist ein Eingriff in das Fenster des Vermieters. Holen Sie vorher seine Zustimmung ein, am besten schriftlich. Nach § 554 BGB können Mieter verlangen, dass der Vermieter bauliche Veränderungen zum Einbruchsschutz erlaubt, wenn sie ihm zumutbar sind. Klären Sie Kosten und Rückbau gleich mit. Das ist ein allgemeiner Hinweis und keine Rechtsberatung.

Reicht es, nur die Zapfen gegen Pilzköpfe zu tauschen?

Meist nicht. Ein Pilzkopf wirkt nur zusammen mit einem passenden Sicherheitsschließstück aus Stahl, das fest im Rahmen verschraubt ist. Normale Schließstücke für Rollzapfen halten die Hebelkraft nicht. Welche Teile zu Ihrem Beschlag passen, hängt vom Beschlaghersteller und der Fensterserie ab. Das klärt ein Fachbetrieb.

Woran erkenne ich auf einen Blick, ob mein Fenster Pilzkopfzapfen hat?

Öffnen Sie den Flügel und sehen Sie auf die umlaufende Kante. Rollzapfen sind runde, glatte Bolzen. Pilzkopfzapfen haben oben einen verbreiterten, oft ovalen Kopf. Am Rahmen sitzen dazu Schließstücke mit einer hinterschnittenen Führung, in die der Kopf beim Verriegeln hineinläuft.

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Patrick Heil

Autor und Betreiber von einbruchsicherung-info.de

Beschäftigt sich seit 2017 mit Einbruchschutz und Nachrüsttechnik für Wohnung und Haus. Technikbegeistert, liest Normen, Prüfberichte und Montageanleitungen genau und vergleicht Produkte nach offenen Kriterien. Eigene Labortests macht er nicht.

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Quellen

  1. BauNetz Wissen: Pilzkopfverriegelung (Glossar Beschläge). Ohne Datum. baunetzwissen.de, abgerufen am 29.10.2026.
  2. Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Sicher wohnen. Einbruchschutz (Broschüre). Stand 07/2024. polizei-beratung.de, abgerufen am 29.10.2026.
  3. Polizeiliche Kriminalprävention (K-EINBRUCH): Fenster richtig sichern. Meldung vom 23.09.2026. k-einbruch.de, abgerufen am 29.10.2026.
  4. Polizeiliche Kriminalprävention (K-EINBRUCH): Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Ohne Datum. k-einbruch.de, abgerufen am 29.10.2026.
  5. Polizeiliche Kriminalprävention (K-EINBRUCH): PKS Einbruch, Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025. Ohne Datum. k-einbruch.de, abgerufen am 29.10.2026.
  6. Polizeiliche Kriminalprävention (K-EINBRUCH): K-EINBRUCH-LEVEL. Ohne Datum. k-einbruch.de, abgerufen am 29.10.2026.
  7. Polizeiliche Kriminalprävention (K-EINBRUCH): Förderung. Angaben mit Stand 2023. k-einbruch.de, abgerufen am 29.10.2026.
  8. Polizeiliche Kriminalprävention: Technische Sicherheit beim Einbruchschutz. Ohne Datum. polizei-beratung.de, abgerufen am 29.10.2026.
  9. BauNetz Wissen: Einbruchhemmende Fenster und Türen (Widerstandsklassen nach DIN EN 1627, Ausgabe November 2021). Ohne Datum. baunetzwissen.de, abgerufen am 29.10.2026.
  10. Bürgerliches Gesetzbuch, § 554 Barrierereduzierung, E-Mobilität, Einbruchsschutz und Steckersolargeräte. gesetze-im-internet.de, abgerufen am 29.10.2026.